Der Osterbrief des Pfarrteams an die Gemeinde

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: „Friede sei mit euch!“

Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite.

Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“ (Johannes 20,19-23)

Liebe Kirchengemeinde, liebe Brüder und Schwestern in Ihren Wohnungen!

Den Text, den Sie über diesem Brief lesen, ist ein Teil der Ostergeschichte wie Sie sie in den Gottesdiensten der Osterzeit in der Rudower Kirche hören könnten. Dieses Jahr ist es anders – es gibt keine öffentlichen Gottesdienste. Nicht in der Dorfkirche, nicht im Geflügelsteig. Die Türen der Kirchen in unserem Land müssen verschlossen bleiben aus Furcht vor einem unsichtbaren Corona-Virus. Das bedrückt uns alle sehr.

Vor diesem Hintergrund lesen wir nun die Ostergeschichten der Bibel mit anderen Augen und hören sie mit anderen Ohren. Die Türen damals in Jerusalem waren also auch verschlossen. Wie bei uns in diesen Tagen und Wochen.

Was also machen wir in diesem Jahr zu Ostern? Wir fürchten uns weltweit und verschließen auch hier in Rudow unsere privaten Türen in den Häusern und Wohnungen, im „Haus Gartenstadt“ und in den anderen Seniorendomizilen. Wir setzen Gesichtsmasken auf und halten, wenn irgend möglich, die hygienischen Maßregeln ein. Gottesdienste zu feiern, all die liebgewonnenen Traditionen mit dem Osterfeuer im Kirchgarten, dem Ostermorgen in der dunklen Kirche, dem beliebten Osterfrühstück im Gemeindesaal, all das muss ausfallen. Das ist für uns alle eine völlig ungewohnte, verstörende Situation.  Aber Ostern findet dennoch statt!

Verschlossene Türen, verschlossene Münder, verschlossene Herzen.  Eine ganz besondere Leidens - Passionszeit. Mehr noch als bei uns in vielen anderen Ländern dieser Erde, erst recht in den Flüchtlingslagern am Rande Europas.

Mitten da durch, mitten da hinein kommt nun zu Ostern der auferstandene Christus ganz nah an uns Menschen heran. Er zeigt seinen Freunden und Freundinnen seine Wunden, damit sie ihn als den Gekreuzigten erkennen. Er schenkt ihren von Furcht geschüttelten, verschreckten Herzen Frieden: „Friede sei mit euch!“ Er nimmt ihnen die Angst, er zeigt sich mit seinen Wunden und ist berührbar für ihre Lage! Er wurde gemartert, gequält, er ist gestorben und nun, am Ostermorgen wird es offenbar, ist er auferstanden zum ewigen Leben!

„Christ ist erstanden, von der Marter alle, des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis“

Die Ostergeschichten erzählen davon, dass Jesus auch in verschlossene Räume kommt und dann zu den Eingeschlossenen sagt. „Fürchtet euch nicht. Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Die Weggefährten Jesu wurden, so erzählt es Johannes, froh, als sie ihren Herrn erkannten. Sie wussten sich geborgen in ihm, sie wussten plötzlich, dass nichts vergeblich war von dem, was sie bezeugen konnten und dass nichts und niemand verloren gehen würde in und durch ihn. Weder in ihrem Leben, noch im Sterben, noch darüber hinaus.

„Wär‘ er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden in, so lobn wir den Vater Jesu Christ‘. Kyrieleis“ (EG99)

Auch wir werden zu Ostern in verschlossenen Räumen sein. Vielleicht schauen wir jede/jeder für sich den Osterfernsehgottesdienst und so sind wir dann doch, örtlich getrennt zwar, geistlich miteinander verbunden.  Dass auch Sie, dass wir alle in dieser geschundenen Welt Gottes österlichen Frieden in unsere verschreckten Herzen hineinlassen, dass wir alle im Vertrauen darauf, dass nichts uns trennen kann von Gottes Liebe, neuen Lebensmut fassen und trotz alledem in ein österliches Lob miteinstimmen, in dieser Hoffnung grüßen wir Sie als Ihr Rudower Pfarrteam in Ihre jeweiligen Wohnungen hinein.

Ihr Rudower Pfarrteam

Beate Dirschauer               Christa Höfflin-Hanke 
Matthias Hanke                 Michael Wicke
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